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PÄPSTLICHES KOMITEE FÜR GESCHICHTSWISSENSCHAFTEN



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RAhmenprogramm

TAGESPOST-Matineen
zur Ausstellung Pius XII.

Schloss Charlottenburg, Neuer flügel, Spandauer Damm 10-22
08. Februar 2009, 11.30 Uhr in den räumen der ausstellung

Der Eintritt zum Rahmenprogramm / MatineeN ist frei.

01. Februar 2009
„Verfälschte Geschichte. Pius XII und Rolf Hochhuth. Ein Rückblick“

Zusammengestellt von Ingo Langner, gelesen von Corinna Kirchhof, Frank Arnold
und Friedhelm Ptok


„Hitler war nicht der Amokläufer um jeden Preis, zu dem man ihn heute macht.“ Rolf Hochhuth. Gütersloh, 1963.
„Auf welche Fakten konnte sich Rolf Hochhuth für seinen Protest gegen die im Grunde unchristliche antibolschewistische Haltung des Vatikans stützen?“ Hans-Joachim Kynaß, Berlin 1966.
„In der öffentlichen Diskussion, die seit dem Erscheinen von Hochhuths „Stellvertreter“ entbrannt ist, entzünden sich die Gegensätze der Auffassungen nicht primär an der Frage der historischen Wahrheit, sondern an der Frage nach dem moralischen Versagen und der moralischen Schuld. Die Kraft des Geschichtlichen wird dabei entleert und Geschichte als reiner Fall der Moralkasuistik angesehen, wobei nur geprüft wird, ob das Verhalten eines Menschen bestehen oder nicht bestehen kann, ohne dass dieser Mensch aus seiner ganzen geschichtsgebundenen Situation heraus gerecht gewürdigt wird. Zu welchen Fehlurteilen ein solches Richten führen muss, das bei der sittlichen Wertung des Verhaltens eines Menschen die Geschichte nicht voll als Geschichte berücksichtigt, ist einleuchtend. Dieses Fehlurteil muss sich aber noch ins Groteske steigern, wenn verfälschte Geschichte als Grundlage der Verdammung genommen wird.“ Walter Adolph, Berlin 1963.

 

08. Februar 2009
„Hitlers Papst? – ein Dialog über Pius XII“


Von und mit den Historikern Thomas Brechenmacher und Karl-Joseph Hummel



„Geschichte sollte man von jetzt an füglich Hochhuth überlassen’. Ob Martin Walser seine euphorische Forderung vom Höhepunkt der Stellvertreter-Debatte (21.2.1963) heute in dieser Weise wiederholen würde, steht füglich zu bezweifeln. Selbst unfreiwilliges Opfer einer Geschichtsdebatte, in deren Zentrum just die Frage nach der Instrumentalisierung von Geschichte stand, dürfte Walser mittlerweile wohl eher im Sinne einer methodisch geleiteten, vorsichtig zu wägenden und agierenden, traditionellen Geschichtswissenschaft als Korrekturinstanz zu all den hitzigen Debatten um die Vergangenheit plädieren. Denn Hochhuths „Stellvertreter“ war ja nur ein früher und prägnanter Vorreiter einer Entwicklung, in deren Verlauf sich die jüngere deutsche Geschichte in ein Schlachtfeld für medial ausgetragene Wortgefechte zu verwandeln scheint. (…) Wenn allerdings der Historiker als Widerspruchsgeist aus dem gelehrten Schmollwinkel heraustreten muß, dann sollte er auch die Mechanismen der Debatte analysieren, sie zu verstehen versuchen, und sie dann thematisieren, um sie stören zu können.“ Thomas Brechenmacher, Augsburg 2001.
Aus nationalsozialistischer Sicht galt Pacelli bereits vor der Wahl zum Papst als Scharfmacher und kompromißloser Gegner. Goebbels notierte am11. März 1937,also noch vor der Enzyklika „Mit brennender Sorge“, in seinem Tagebuch: „Pacelli ganz gegen uns. Liberalist und Demokrat.“ Der Eintrag zum Konklave im März 1939 lautet: „Pacelli zum Papst gewählt. … Ein politischer Papst und u. U. ein raffiniert und geschickt vorgehender Kampfpapst. Also aufpassen.“ (3. März 1939), und: „ Mittags beim Führer. Er erwägt, ob wir nicht aufgrund der Wahl Pacellis zum Papst das Konkordat kündigen sollen. Das wird bestimmt bei der ersten Kampfmaßnahme Pacellis der Fall sein.“ (4.März 1939) Das Auswärtige Amt schlug vor, die Glückwünsche zur Wahl Pius XII.
„Korrekt, aber angesichts der bekannten Einstellung des früheren Kardinals Pacelli zu Deutschland und der nationalsozialistischen Bewegung nicht besonders warm zu halten.“
Karl-Joseph Hummel, Bonn 2009.